Hintergrundinfo: Hungersnot und Wassermangel
Die Kategorie „Global“ beschäftigt sich mit Themen auf dem internationalen Parkett. Zwei Themen, nämlich die Hungersnot und der steigende Wassermangel, betreffen aktuell auf internatonaler Ebene eine sehr große Anzahl von Menschen. Warum dies so ist, wie Hunger entsteht, wodurch sich der Wassermangel begründet und was alle diese Informationen und Gründe mit uns in der westlichen Welt zu tun haben, sollen in diesem Artikel grob dargestellt werden.
Zahlen und Fakten zum Hunger in der Welt
Rund 925 Millionen Menschen leiden zur Zeit an dauerhaftem Hunger, die meisten dieser Menschen stammen aus den Entwicklungsländern. Eine Folge des Hungers ist die Unterernährung, das heißt, dass der Körper nicht ausreichend mit lebenswichtigen Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen etc. versorgt wird. Unterernährung führt daher zu einer Einschränkung von geistigen und körperlichen Aktivitäten, da der Körper als natürliche Konsequenz seinen Energieverbrauch minimiert. Bei Kindern kann eine dauernde Unternährung zu irreparablen kognitiven und physischen Schäden führen.9,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben innerhalb eines jeden Jahres bedingt durch Unterernährung. Hunger führt grundsätzlich zu einem frühen Tod, da keine körperlichen Abwehrmechanismen aufgebaut werden können, um Krankheiten abzuhalten bzw. diese zu überwinden. Viele Säuglinge kommen in den Hungerländern schon unterernährt zur Welt und besitzen daher von vorneherein eine sehr schlechte Ausgangsbasis. Seit 1948 ist das Recht auf ausreichend Nahrung ein Menschenrecht, was von internationalen Staaten auch akzeptiert und immer wieder bestätig wird. Dennoch reißen die Hungerzustände nicht ab.
Hunger als Folge einer fehlgeleiteten Politik
Die Gründe für das Verursachen von Hunger liegen zu einem Teil in einer fehlgeleiteten Politik, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, in der wirtschaftliche Interessen sozialen Notwendigkeiten vorangestellt werden. Die UN–Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO hat allerdings klargestellt, dass die Wirtschaft sich selbst einen großen Gefallen tun würde, den Hunger zu besiegen, da die Produktivität der Menschen durch eine ausreichende Nahrungszufuhr gesteigert würde. Durch die hohe Sterblichkeits – und Krankheitsrate bedingt durch Hunger und Unterernährung gehen in den Hungerländern mehr als 220 Millionen Euro durch die mangelnde Produktivität verloren und das jedes Jahr. Hunger lässt demnach nicht zu, dass eine Bevölkerung sich sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf politischer Ebene entwickeln kann. In den Hungerländern bestehen für die Bevölkerung ungesicherte Landbesitzverhältnisse, die Erzeugerpreise sind zu niedrig und Saatgut und Dünger sind für die Kleinbauern kaum zu erhalten. Dadurch haben sie große Probleme sich selbst zu ernähren. Diese Probleme auf nationaler Ebene werden aber international gefördert.
Die fehlgeleitete Politik der EU
Unsere industrielle Landwirtschaft produziert massenweise Lebensmittel und zerstört damit die kleinbäuerliche Landwirtschaft vor Ort. Die europäische Landwirtschaft wird mit rund 55 Millionen Euro jährlich subventioniert und somit werden Exporte in den Hungerländern billiger angeboten als die einheimischen Kleinbauern und Händler ihre Produkte auf den Märkten anbieten können. Die günstigen Preise der Lebensmittel der landwirtschaftlichen Massenproduktion entstehen also allein durch die Subventionen der EU und die Subventionsgelder kommen durch die Steuern des EU-Steuerzahlers zu Stande. Günstig sind diese Lebensmittel für uns also gar nicht, denn was wir durch niedrige Ladenpreise einsparen, geben wir an Steuern wieder aus. Durch den Konsum dieser Lebensmittel wird aber die industrielle Landwirtschaft weiter aufrechterhalten und gefördert und die Kleinbauern werden benachteiligt, können ihre Produkte nicht anbauen und nicht verkaufen. Die Selbsthilfe dieser Menschen wird demnach systematisch verhindert und wir EU-Bürger werden betrogen, die einzigen Gewinner sind die Großkonzerne.
Die Profitgier der Konzerne
Konzerne zur Herstellung von Agrarchemie propagieren beständig, dass nur durch den Einsatz von mehr Chemie auf den Feldern und genverändertem Saatgut der Hunger in der Welt besiegt werden kann, aber dies ist nicht korrekt und dient lediglich dem eigenen Interesse an Profitsteigerung. Die Landwirtschaft der Kleinbauern vor Ort muss gestärkt werden, damit die Menschen sich selbst ernähren können, dies können sie aber nur, wenn die konservierten, billigen Produkte der westlichen Welt nicht mehr vor Ort auf dem Markt zu finden sind und heimische Bauern ihre eigenen Waren anbieten und verkaufen können. Des weiteren werden die Ackerflächen, die am fruchtbarsten sind, von internationalen Großkonzernen aufgekauft oder gepachtet, um dort Exportprodukte anzubauen, wie zum Beispiel Baumwolle oder Blumen. Grundnahrungsmittel für die Menschen können demnach erst gar nicht angebaut werden. Notwendig ist der Anbau der Exportprodukte dort nicht, da nämlich rund 35% der Ackerflächen in der EU gar nicht genutzt werden. Durch eine Veränderung der massenproduzierenden Industrie hin zu einer bedarfsgerechten Produktion könnte die Nutzung der Ackerflächen für Exportprodukte stark eingeschränkt werden, so dass andere Rohstoffe angebaut werden können.
Verschweigen der Subventionszahlungen
Von unseren Politiker hören wir in Dauerschleife den Satz „Wir müssen sparen!“. Durch die Bankenkrise und den großzügigen Geldpaketen an die Banken, fehlt angeblich Geld. An allen Ecken und Enden im Land wird gekürzt und gespart. Doch niemand erwähnt die hohen Subventionszahlungen, die nicht nur den Kleinbauern in den Hungerländern ihr Geschäft systematisch kaputt machen und den Hunger weiterhin aufrecht erhalten, sondern auch bei uns schier unbegrenzte ökologische und gesundheitliche Schäden anrichten. Die Börse trägt übrigens ebenfalls mit ihren spekulativen Investitionen in landwirtschaftliche Rohstoffe dazu bei, dass der Hunger weiter ansteigt.
Was haben wir damit zu tun?
Unreflektierter Massenkonsum & Verschwendung von Lebensmitteln
Eine hohe Nachfrage stärkt die industrielle Landwirtschaft und den Lobbyismus. Wir in der westlichen Welt konsumieren in Massen und leben in einem gigantischen Überfluss. Es werden ausreichend Nahrungsmittel produziert, um jeden einzelnen Menschen auf der Welt ernähren zu können. Über 50 % aller Lebensmittel landen aber auf dem Müll und eben nicht in den Mägen derer, die es so dringend benötigen. Der westliche Lebensstil beinhaltet kaum mehr Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln. Völlerei und Reingestopfe gehören zu unserem Alltag, Fast Food-Läden und XXL-Restaurants werden besucht ohne Nachzudenken, das Wegwerfen wertvoller Nahrungsmittel ist zum Trend geworden, nicht nur im Privathaushalt sondern auch beim Händler und Erzeuger. Alles, was zu klein, zu welk oder nicht grün genug ist, wird gnadenlos in der Mülltonne entsorgt. Das Gros der Kunden bevorzugt lieber mittelgroße Kartoffeln, da sie am leichtesten zu schälen sind, so dass kleine und große Kartoffeln entsorgt werden. Gefüllte Eierkartons werden oft nach Ladenschluss weggeworfen, da ein Ei kaputt ist und der Kunde dann den ganzen Karton nicht mehr kauft. Pro Jahr landen 500.000 Brotlaibe auf dem Müll. Schätzungen zu Folge werden in Deutschland Lebensmittel im Wert von 10 Milliarden Euro weggeworfen, das sind umgerechnet ungefähr 400 Euro pro Haushalt.
Die Lüge des Mindesthaltbarkeitsdatums
Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum wird bei uns penibel eingehalten und liegt ein Produkt im heimischen Vorratsschrank nur einen Tag über diesem Datum, wird es natürlich sofort entsorgt. Wir sind ja schließlich eine gründliche und gesundheitlich orientierte Gesellschaft. Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird aber vom jeweiligen Erzeuger ermittelt und angegeben. Es sagt nichts darüber aus, ob ein Lebensmittel ab Erreichen dieses Datums nicht mehr genießbar ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum erfüllt aufgrund der relativ kurzen Zeitspanne den Zweck, dass der Verbraucher schnell wieder neu einkaufen muss, so wird der Profit stabil gehalten bzw. erhöht.
Unsere Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln ist gering, da nur das, was selten ist, heutzutage als kostbar betrachtet wird. Die Massenprodukte sind aber jederzeit verfügbar. Und wenn das Haltbarkeitsdatum erreicht ist, wird das Produkt einfach weggeworfen. Die Supermärkte sind gefüllt genug und wir haben jederzeit die Möglichkeit uns mit Nachschub zu versorgen.
Der Fleischkonsum führt die Topliste der Lebensmittelverschwender an
Im Jahre 2010 ist in Deutschland noch niemals zuvor so viel Fleisch produziert worden, nämlich 8 Millionen Tonnen. Für den unbändigen Fleischhunger des „gebildeten“ Westlers müssen 70% der Agrarfläche zur Produktion von Futtermitteln genutzt werden. Der ProKopfverbrauch liegt in Deutschland bei 90 Kilo Fleisch im Jahr. Der weltweite Fleischkonsum beträgt etwa 284 Millionen Tonnen pro Jahr. Experten erwarten bis 2050 eine Verdopplung. Die Tiere müssen trinken und fressen, also werden vorhandene Ressourcen hierfür eingesetzt. Der Anbau von Futtergetreide nimmt dem Anbau von Menschennahrung eindeutig den Platz weg, die Tendenz ist steigend. Das Ausmaß der verschwendeten Lebensmittel ist somit enorm. Je höher der Fleischkonsum ist, desto höher steigen die Preise für Soja, Hafer, Mais, Gerste und Futterweizen. Die Preise werden hochgetrieben und Anbaufläche wie zum Beispiel für Reis werden verdrängt, alles bedingt durch die hohe Nachfrage. Somit steigen dann aber auch gleichzeitig die Preise für Reis, in vielen Hungerländern ist Reis aber Grundnahrungsmittel Nr.1. Die Vorräte an Getreideerzeugnissen können aktuell den Bedarf kaum noch decken, die kurzsichtigen Forderungen nach mehr Anbaufläche und höherer Produktivität haben wieder mehr Hungersnöte und auch verheerende ökologische Konsequenzen zur Folge. Nicht nur, dass der hohe Fleischkonsum für die Verdrängung des Anbaus von Grundnahrungsmitteln mitverantwortlich ist, so ist er auch für den Wassermangel mitverantwortlich.
Der Wassermangel
In über 30 Ländern herrscht Wassermangel. Schätzungen zu Folge werden in 20 Jahren 3 Milliarden Menschen in über 50 Ländern davon betroffen sein und selbst wenn genug Wasser vorhanden ist, ist der Zugang zu sauberem Wasser erschwert. Rund 884 Millionen Menschen verfügen über kein ausreichendes sauberes Wasser. In Afrika und Asien entfallen etwa 85% auf die Landwirtschaft. Ungefähr 20 % der weltweiten Wasserentnahme entfällt auf die Industrie und immerhin 10% auf die Haushalte. Auf 1 Kg Brot kommen ungefähr 1000 Liter Wasser. Die Landwirtschaft verbraucht 70% der Wasserressourcen weltweit und der Großteil der Agrarflächen wird genutzt, um Futtermittel für Vieh anzubauen. Experten erwarten in der nahen Zukunft regelrechte Wasserkämpfe. Es ist nicht auszuschließen, dass die Menschen sehr bald Kriege um Wasser führen werden, da die Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren 20 % mehr Wasser benötigen wird, die Industrie wird 50% mehr Wasser verbrauchen müssen und private Haushalte sogar 80%. Berechnungen haben ergeben, dass bei einer rein vegetarischen Ernährung in etwa 1500 Liter Wasser pro Kopf pro Tag verbraucht werden müssen. Bei einer Ernährungsweise, die zu 20% aus Fleisch besteht, benötigt man pro Kopf und pro Tag schon 3000 Liter. Nun kann man sich schnell errechnen, wie viel Wasser verschwendet wird, wenn jemand noch mehr als 20 % Fleisch zu sich nimmt, was leider für viele Westler zum „Lifestyle“ gehört. Laut Schätzungen verbraucht 1 Kg Rindfleisch 40 Badewannen voller Wasser, dies entspricht 3000 Spülvorgänge eines WCs und einhundert mal so viel sauberes Wasser wie von jedem einzelnen Menschen auf der Welt gebraucht wird.
Fazit
Wir können also festhalten, dass der Welthunger und der Wassermangel eine Folge eines werte – und maßlosen Systems ist, was sich durch macht–und geldgierigen Lobbyismus, fehlgeleitete Politik und nicht zu Letzt durch das Konsum – und Wertverhalten in westlichen Ländern auszeichnet. Diese gesamte Thematik ist aus politischer Sicht betrachtet ein sehr unpopuläres Thema. Die Politik wird so lange nicht handeln bis der Souverän sie dazu zwingt und der Souverän ist gleichzeitig die Konsumgesellschaft, also wir. Die vielen hungernden Menschen sollten uns beschämen, sie zeigen uns auf, dass wir keine wahre Demokratie besitzen und die Politik in Abhängigkeit von kommerziellen Interessen steht und da im EU-Parlament mehr Lobbyisten sitzen als mutige Visionäre, liegt es an jedem Einzelnen von uns, das eigene Konsumverhalten zu reflektieren und dementsprechend zu verändern und zumindest den wenigen politischen Einfluss, den wir haben, zu nutzen und die eigene Stimme daran orientiert abzugeben, um jedem Menschen auf dieser Welt ausreichend Nahrung und Wasser zu kommen zu lassen. Denn dies ist ein Menschenrecht und darf nicht in ihrer Relevanz unter der Profitgier der Großkonzerne stehen.
„Jedes Kind, was an Hunger stirbt, wird ermordet.“ (Jean Ziegler)
Bildquelle: flickr.de/Mr Kris
Textquellen:
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