Edward Snowden und sein Dienst für die Menschheit
Edward Snowden, ein 30 jähriger US-Amerikaner und talentierter Computerexperte, brachte im Juni 2013 geheime Informationen und Details über die Überwachungsprogramme der amerikanischen Heimatschutzbehörde NSA sowie des britischen Geheimdienstes GCHQ ans Licht der Öffentlichkeit.
Snowden hatte als Angestellter einer für die NSA arbeitenden Beratungsfirma Zugriff auf streng geheime und vertrauliche Dokumente, unter anderem über die Überwachungsprogramme PRISM und Boundless Informant (beide USA) und das britische Programm Tempora.
Nach dem Snowden der britischen Zeitung "The Guardian" einige Informationen zuerst anonym zugespielt hatte, gab er wenige Tage später, am 9. Juni, seine Identität preis, weil er damit rechnete bald von den Geheimdiensten enttarnt zu werden.
Die Veröffentlichungen Snowdens lösten vor allem in Deutschland und der EU Empörung aus.
Bolivien, Venezuela und Nicaragua haben dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Asyl angeboten. Über ein dutzend Staaten, darunter auch Deutschland, haben sein Asylgesuch abgelehnt. Meist aus formalen Gründen wie es heißt. Zurzeit hält sich Snowden in Russland auf, welches ihm für ein Jahr Asyl gewährt hat. Die US-Regierung versucht mit allen diplomatischen und undiplomatischen Mitteln Russland zur Auslieferung Snowdens zu bewegen.
Zahlreiche Details über das gigantische Ausmaß der Überwachung sind mittlerweile öffentlich bekannt und in vielen Quellen nachzulesen. Der Skandal weitete sich zuletzt auch auf den deutschen Geheimdienst aus, der die Ausspähung scheinbar stillschweigend akzeptiert und auch davon profitiert hat. Auch diverse Internet- und Kommunikationsabieter scheinen die NSA bereitwillig in ihrer Datensammelwut unterstützt zu haben.
Doch wie begann die Geschichte?
Snowden arbeitete seit 2005 als IT-Experte bei der CIA und wechselte 2009 zur Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, wo er als externer Mitarbeiter für die NSA tätig war. Bereits seit 2007 spielte Snowden mit dem Gedanken, die Öffentlichkeit über die ausufernden Überwachungspraktiken der US-Regierung zu informieren. Er hoffte, dass 2008 durch den neuen Präsidenten Barack Obama die zweifelhafte Ausspähung durch Reformen eingeschränkt würde. Eher das Gegenteil war der Fall und Snowden wechselte nach eigener Aussage 2009 seinen Arbeitgeber nur, um weitere Informationen über die Überwachungsprogramme der NSA zu sammeln.
Doch was führt einen jungen Mann dazu, der nach eigener Aussage ein gesichtertes Einkommen von zuletzt ca. 90.000€, eine Freundin und ein Haus auf Hawaii hatte, sein bisheriges Leben aufzugeben und auf Komfort, Wohlstand und Sicherheit zu verzichten? Was brachte ihn dazu die US-Regierung zu bestehlen und streng geheime Informationen zu veröffentlichen?
Warum nimmt ein 30 Jähriger es in Kauf lebenslang in Gefängnis zu wandern, von Geheimdiensten verfolgt, gefoltert oder sogar von einer übermächtigen Regierung ausgeschaltet zu werden, nur damit er die Öffentlichkeit über staatliche Überwachung aufklären kann?
Weil Edward Snowden es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, dass die US-Regierung unbehelligt und in einem solch großen Ausmaß Menschen und Regierungen überwacht und ausspioniert, ohne dass die Öffentlichkeit zumindest ausreichend darüber informiert ist.
Snowden hat viel Mut bewiesen und er tut etwas, das in der westlichen Wohlstandsgesellschaft inzwischen viel zu wenige Menschen tun: Er kämpft für die Freiheit und gegen die Unterwanderung der Demokratie durch die Regierungen, obwohl Snowden ein viel leichteres und bequemeres Leben haben könnte.
Edward Snowden hätte einfach weiter ein Teil des riesigen Überwachungsapparates bleiben können, über ein gutes Einkommen verfügen und sein Leben in Wohlstand und ohne Verfolgung durch die US-Regierung genießen können. Aber er reflektierte, was er im Rahmen seiner Tätigkeit für CIA und NSA tat und sah. Er ließ sich nicht manipulieren, sondern blieb seinen Prinzipien treu und handelte. Und das, obwohl er sich sicher war, dass er damit sein Leben auf's Spiel setzte.
Snowden tut das, was viele von uns aus Angst, Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit oder Egoismus nicht tun würden. Er prangert Missstände an, tritt für seine Werte ein und informiert die Weltöffentlichkeit darüber, dass Teile seiner Regierung Wahrheiten verschleieren, die Menschen belügen und nicht nur die Privatsphäre der Amerikaner, sondern auch der Europäer und sogar der Menschen weltweit verletzt und die Freiheit des Internets und aller Menschen angreift.
Die Folgen der Veröffentlichungen
Snowden verstößt mit seinen Enthüllungen gegen amerikanische Gesetze und Kritiker werfen ihm vor, die Sicherheit der Wohlstandsländer zu gefährden, weil Terrororganisationen nun wissen, mit welchen Mitteln sie von den Geheimdiensten überwacht werden.
Vielleicht steigt durch Snowdens Enthüllungen tatsächlich die Gefahr von Terroranschlägen auf die westliche Welt.
Dass aber die USA mit ihren Überwachungsmaßnahmen und ihrer Sammelwut genauso gegen Gesetze verstößt wie Snowden es nach Meinung der Regierung tut, vergessen die Kritiker. Und dass nicht nur der Terror bekämpft wird, sondern mit Eifer auch die Freiheit der Menschen, vergessen Snowdens Gegner ebenfalls oft.
Und wer hat überhaupt die Gesetze geschaffen, gegen die Snowden verstößt? Wieso macht Snowden sich nach dem Anti-Spionagegesetz der USA strafbar, wenn er bloß Bürgerrechte und die Freiheit des Internets verteidigen will?
Warum gibt es in dem Land der unbegrenzten Freiheit kein Gesetz, dass jene Menschen vor Bestrafung schützt, die diese hochgelobte Freiheit verteidigen und schützen wollen?
Und was brachte eigentlich radikalisierte Islamisten dazu, im 21. Jahrhundert ihren Terror auf den Westen auszuweiten? Diese Frage muss auch gestellt werden, denn schließlich rechtfertigen die Amerikaner ihre Totalüberwachung mit der Bedrohung durch den islamistischen Terror.
Ist es nicht naiv zu glauben, die Amerikaner würden einen solch riesigen Überwachungsapparat installieren, nur um islamistischen Terror abzuwehren? Aktuell baut die Heimatschutzbehörde NSA für geschätzte 2 Milliarden US-Dollar ein gigantischen Abhörzentrum in der Wüste Utahs. Verschiedenen Quellen zur Folge soll dort alles an Daten abgefangen und gespeichert werden, was das Internet hergibt. Die NSA verfügt über ca. 40-50.000 Mitarbeiter. Und sie arbeitet daran, bisher als sicher geltende Verschlüsselungstechniken zu knacken um weltweit uneingeschränkten Zugriff auf alle digitalen Daten zu haben.
Es geht hier offensichtlich nicht nur darum, Terroranschläge zu verhindern. Vielleicht wird auch die Kontrolle und Macht über private Daten angestrebt, mit dem Ziel, eine gläserne Gesellschaft zu schaffen. Inklusive der Option zur totalen Überwachung - von Industriespionage bis hin zum Ausspähen fremder Regierungen sowie Millionen von Privatpersonen.
Snowdens Veröffentlichungen können dazu führen, eine erschreckende Entwicklung hin zu der totalen Überwachung der Menschheit auszubremsen.
Teile der gut funktionierenden Machtapparate namens Regierungen könnten sich und ihre wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen nicht nur durch islamistischen Terror, sondern auch durch gebildete, selbstständig denkende Bürger gefährdet sehen, die weitaus nachhaltiger und weniger materiell orientiert denken, als die heutige Leistungsgesellschaft es erlaubt. Es könnte sich eine Revolution entwickeln, die das herrschende System völlig verändert, Macht neu verteilt und bewertet. Es ist davon auszugehen, dass vor allem die US-Amerikanische Regierung diese Entwicklung eines neuen Bewusstseins fürchtet. Durch das Internet haben die Menschen in weiten Teilen der Welt die Möglichkeit zum freien Informationsaustausch. Und wenn sich das Internet nicht kontrollieren lässt, so kann es dank der NSA bald vollständig überwacht werden. Dürfen wir das zulassen? Wir müssen uns für unser Recht auf Privatssphäre, Freiheit und Selbstbestimmung einsetzen und niemand sollte Angst haben müssen, vollständig ausgespäht und überwacht zu werden.
Edward Snowden hat durch seine Enthüllungen eine große Chance eröffnet, uns gegen die Angriffe der Regierungen auf Bürgerrechte und Freiheit zu wehren und der US- und anderen Regierungen entgegen zu treten.
Edward Snowden hat großen Mut bewiesen und mit gutem Gewissen gehandelt. Er riskiert sein Leben um unsere Freiheit zu schützen.
Wir alle sollten mutig handeln und beginnen, uns unsere eigenen kritischen Gedanken zu machen. Wir sollten uns fragen, ob bei der totalen Überwachung wirklich die Terrorabwehr oder nicht doch die Errichtung eines weltweiten Überwachungsnetzes im Vordergrund steht.
Wir müssen uns erheben und als freie Bürger das Weltgeschehen mitgestalten. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige wenige Mächtige Möglichkeiten entwickeln, uns fortwährend zu manipulieren, auszuspionieren und dorthin zu lenken, wo sie uns haben wollen. Unsere Weltordnung ist noch sehr jung. Sie steckt gemessen an der Gegenwart des Menschen auf der Erde noch in den Kinderschuhen und sie bedarf noch sehr vieler Verbesserungen. Edward Snowden kämpft auf seine Weise für unser aller Freiheit, und er bietet uns durch seine Enthüllungen und das daraus enstandende Medieninteresse die Möglichkeit, die notwendigen Verbesserungen und Veränderungen anzustoßen und voran zu bringen. Wir dürfen nicht zulassen, dass aufgrund unseres mangelnden Interesses an den Belangen aller ein paar wenige Mächtige und Reiche ihre Macht über den Rest der Menschheit und über die Umwelt weiter ausbauen.
Wenn Edward Snowden lange Gefängnisstrafen, Folter und wohlmöglich seinen Tod in Kauf nimmt, um unsere Freiheit und unsere Bürgerrechte zu verteidigen, dann ist er ein Held. Wir müssen Snowdens Enthüllungen als eine wichtige – vielleicht sogar als eine von wenigen – Chancen begreifen, das vorhandene Weltsystem grundlegend zu verändern.
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