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Bruchpfau

Der Fall Troy Davis und die Todesstrafe

25. September 2011 , Geschrieben von admin Veröffentlicht in #Global

In den letzten Wochen ging ein Fall um die ganze Welt, der zum wiederholten Mal Diskussionen um die Todesstrafe auslöste. Im amerikanischen Bundesstaat Georgia wurde am Mittwoch der zum Tode verurteilte Troy Davis mittels der so genannten Giftspritze hingerichtet. Bis zum Schluss konnte die Schuld des 42-Jährigen Afro-Amerikaners nicht bewiesen werden. Davis soll 1989 einen Polizisten getötet haben, indem er ihm in die Brust und ins Gesicht schoss. Zu viele Zweifel, falsche Zeugenaussagen und allerlei Ungereimtheiten ließen keine Eindeutigkeit darüber zu, dass Davis tatsächlich der Schütze war. Aus diesem Grund wurden in den letzten 20 Jahren seiner Inhaftierung, die Hinrichtungstermine im letzten Moment verschoben. Schlussendlich wurde die Hinrichtung aber durchgeführt und das Gesuch seine Verurteilung in „lebenslänglich“ umzuwandeln abgelehnt, trotz einer weltweiten Unterschriftenaktion, an der Hunderttausende teilnahmen.

Doch die Todesstrafe wird nicht nur in den USA durchgeführt. Leider gibt es noch zu viele andere Länder, in denen jedes Jahr tausende Menschen hingerichtet werden, allen voran der Iran, China, Nordkorea und der Jemen. 58 Staaten halten weiterhin an der Todesstrafe fest, zumindest insofern, dass sie im Gesetz verankert ist. Lediglich ein Drittel aller Menschen lebt in Ländern, in denen die Todesstrafe nicht im Gesetz verankert ist.

Beunruhigenderweise werden in den letzten Jahren in Deutschland Stimmen für die Todesstrafe lauter, sei es in Bezug auf Verbrechen wie Kindesmissbrauch, Mord und/oder Raub. Befürworter bedienen sich einer Reihe an Argumenten, die ihrer Ansicht nach die Todesstrafe rechtfertigen. Ein Argument ist, dass die Todesstrafe als Abschreckungsinstrument dienen würde. Dies würde aber bedeuten, dass in Teilen der Welt, wie z.B. in den dementsprechenden Staaten der USA, keine Verbrechen mehr stattfinden bzw. stark eingeschränkt wären. Dies ist allerdings nicht der Fall, im Gegenteil. Der Ruf nach Vergeltung, der durch die Todesstrafe befriedigt wird, setzt Gerechtigkeit mit Rache gleich. Wir schlagen glücklicherweise auch nicht mehr dem Dieb die Hand ab. Dies hatte ihn ohnehin nicht vom Stehlen abgehalten. Auch das Argument der günstigeren Finanzierung ist eine falsche Annahme. Die Vorbereitung und Durchführung der Todesstrafe kostet um einiges mehr als zum Beispiel eine lebenslängliche Inhaftierung. Die Annahme, dass die Todesstrafe einen besseren Schutz für die Gesellschaft bietet, ist ebenfalls eine oberflächliche Denkweise. Dieser Pseudoschutz mag einigen vielleicht ein sicheres Gefühl suggerieren, allerdings liegt die Ursache für Gewalt, Brutalität und Unmenschlichkeit viel tiefer und zwar in der Gesellschaft selbst begraben. Daran wird die Todesstrafe nichts ändern.

Es sei darauf aufmerksam gemacht, dass insbesondere rechte Gruppierungen und rechts-politische Parteien in den letzten Jahren, insbesondere in Deutschland, für die Todesstrafe plädieren. Dieser Umstand sollte jedem Befürworter deutlich sein, nur um Klarheit darüber zu gewinnen, woher diese populistischen Pro-Todesstrafen-Parolen kommen und in welche Richtung sie sich bewegen sollen.

Wer sich für die Todesstrafe ausspricht und sie praktiziert, verstößt eindeutig gegen die Menschenrechte. In Artikel 3 der Menschenrechte heißt es: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Und in Artikel 5 heißt es: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

So lange Menschen die Befriedigung von Rachegelüsten als notwendigen Wert empfinden und den Staat über Leben und Tod entscheiden lassen (wollen), wird es unmöglich sein, Menschenrechte umfassend zu etablieren. Jedoch ist die Abschaffungsquote hoch. Mehr und mehr Staaten entscheiden sich jedes Jahr dafür, die Todesstrafe auszumerzen. Ich hoffe sehr, dass es in Deutschland nicht eines Tages wieder heißt "Kopf ab, im Namen der Gerechtigkeit" oder "Im Namen des Volkes". Eines steht für mich dabei fest: In meinem Namen definitiv nicht. Lassen wir es erst gar nicht dazu kommen, dass eine derart unreflektierte Denkweise Einzug hält und machen wir uns weiterhin für eine Gesellschaft und für eine Politik stark, die Menschenrechte in vollem Umfang akzeptiert und ausführt.

  Bildquelle: flickr.com/fekaylius
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