Die Ölpest im Golf von Mexiko und die Bohrungen in der Arktis – Resümee und Gedankensplitter
Vor einem guten Jahr ereignete sich im Golf von Mexiko eine gigantische Ölkatastrophe. Vor der Küste des US-Staates Louisiana explodierte am 20. April des letzten Jahres die BP-Förderplattform „Deepwater Horizon“. Bei der Explosion kamen 11 Arbeiter ums Leben. Die Bohrinsel stand zwei Tage lang in Flammen bis sie dann auf den Ozeangrund sank. BP gelang es erst drei Monate später, das lecke Bohrloch zu schließen. Es war die größte Ölkatastrophe, die jemals die USA heimgesucht hat. Schätzungen zu Folge flossen über 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Nach wie vor werden verendete Meerestiere und Ölklumpen angeschwemmt. Neben Tausenden von verstorbenen Vögeln und vielen anderen toten Meerestieren, wurden nur allein in diesem Jahr schon 153 tote Delfine in dieser Region aufgefunden.
Die Wut auf BP war und ist noch immer groß. Die Katastrophe wird auf das Versagen des Managements und ignorierte Warnsignale zurückgeführt. Ein Expertengremium der US-Regierung stellte fest, dass die begangenen Fehler auf die Entscheidungen der beteiligten Firmen zur Kosten – und Zeitersparnis zurückzuführen sind. Ex-BP-Chef Tony Hayward hat daraufhin seinen Hut genommen und seinen Platz geräumt. Er wird aber nun wieder, zusammen mit dem Milliardär Nathaniel Rothschild, im Ölgeschäft tätig werden.
Lernerfolge aus dieser Katastrophe zeichnen sich nicht ab, ganz im Gegenteil. BP spielte damals wie heute die Katastrophe herunter und darf jetzt, ein Jahr später, wieder im Golf nach Öl bohren. Abgesehen davon, findet zur Zeit in der Arktis ein wahrer Kampf zwischen Greenpeace und der schottischen Ölfirma Cairn statt, die im wirtschaftlichen Hai-Becken zu überleben versucht. Greenpeace stellt sich gegen die Ölbohrungen in dem noch empfindlicheren Ökosystem der Arktis. Der kleinste Fehler könnte die gesamte Arktis zerstören. Ausströmendes Öl könne aufgrund der ökologischen Bedingungen kaum unter Kontrolle gebracht werden.
Die Arktis ist aber ungemein attraktiv. Sie kann aufgrund ihrer gigantischen Ölvorkommen als Öl-Eldorado betrachtet werden. Während also in der Arktis eine enorme Menge an Öl schlummert, versiegen die restlichen Ölvorkommen auf unserer Welt. Gleichzeitig benötigen wir Menschen aber immer mehr. Im Jahr verbraucht die Welt 30 Milliarden Barrel Öl, Tendenz steigend. Die Welt wird also eh nicht lange auf das Arktis-Öl verzichten können.
Die wahre Problematik der Katastrophe im Golf von Mexiko und der Bohrungen in der Arktis liegt somit viel tiefer. Welches Risiko sind wir eigentlich bereit einzugehen, damit wir unsere scheinbaren Bedürfnisse befriedigt sehen? Sind wir wirklich weiterhin bereit, verheerende Umweltkatastrophen in Kauf zu nehmen, um unseren Lebensstandard erhalten und auszuweiten zu können? Und wie viel ist unser angestrebter Lebensstandard wert, wenn er ohnehin nur kurzfristig besteht, da wir bald keine für den Menschen lebensnotwendige Umgebung mehr haben?
Es wäre hilfreicher, wenn wir uns mit diesen Fragen beschäftigen würden, anstatt die alleinige Schuld bei anderen zu suchen und sie dadurch weit von uns zu weisen.
Bildquelle: flickr.com/Deepwater Horizon Response
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