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Bruchpfau

Die Werbeindustrie, nicht reale Bedürfnisse, negative Effekte und vielleicht auch positive?

22. Juni 2011 , Geschrieben von admin Veröffentlicht in #Innenpolitik & Gesellschaft

Wo auch immer wir hinschauen, wir sind umgeben von Werbung. An der Haltestelle begegnen uns Werbeplakate, in Großstädten blinken die Werbetafeln, durch das Radio werden wir mit Werbespots berieselt, ein Film im Fernsehen wird alle 20 Minuten von einem Werbeblock unterbrochen, der Briefkasten quillt vor Flyern und Werbepost über. Mittlerweile scheinen wir schon abgestumpft zu sein und gar nicht mehr bewusst mitzubekommen, dass wir berieselt, geradezu manipuliert, und unsere Bedürfnisse und unsere Kaufentscheidungen maßgeblich beeinflusst werden.

Die Ausgaben für Werbung in Deutschland werden Schätzungen zu Folge im Jahre 2011 bei ungefähr 30 Milliarden Euro liegen. Eine stolze Summe, die die Wirtschaft und die Industrie bereit sind zu zahlen. In Anbetracht der Tatsache, dass ständige Kostensenkung betrieben wird, Lohndumping und Entlassungen an der Tagesordnung stehen, mutet es absolut verrückt an, wenn man sich diese Summe im Vergleich dazu vorstellt. Des weiteren erscheint es grotesk, dass hierzulande so viel Geld allein für Werbung ausgegeben wird, während Millionen von Menschen auf dieser Welt verhungern, da sie sich noch nicht mal eine ausreichende Nahrungsversorgung leisten können.

Durch unseren Abstumpfungseffekt, wirkt Werbung mittlerweile unbewusst. Hierdurch werden uns schnell Bedürfnisse suggeriert, die gar nicht von uns selbst erzeugt werden. Diese von außen kreierten Bedürfnisse, die uns unbewusst eingepflanzt und durch die Verknüpfung mit positiven Bildern erzeugt werden, sollen nur eine Message entstehen lassen: Kaufe es, dann bist du glücklich! Aus diesem Grund hat Werbung das ursprüngliche Ziel, nämlich lediglich auf ein Produkt aufmerksam zu machen und den Kunden bzw. Verbraucher von dessen Vorteilen zu überzeugen, automatisch längst überschritten und ist zum Nährboden einer grenzenlosen Konsumgesellschaft geworden.

Generell empfinde ich an der Grundidee der Werbung nichts Negatives, wenn sie sich in Grenzen hält und an ihren Ursprung angelehnt ist. Leider wird das aber immer seltener, da die Werbeindustrie über die psychischen Abläufe natürlich genauestens informiert ist. Und das alleinige Ziel ist schließlich, den Umsatz eines Produktes permanent zu steigern.

Gestern bin ich auf eine interessante Werbestrategie gestoßen und habe mich im Zuge dessen gefragt, was wohl an positiven Effekten für den Einzelnen und eine ganze Gesellschaft entstehen könnte, wenn man unseren Abstumpfungseffekt und die dadurch vorhandenen psychischen Prozesse durch Widerbelebung der Aufmerksamkeit und Verknüpfung mit einer positiven Aussage verändern würde.

Die Werbestrategie „Habt keine Angst“ des Fernsehsenders Pro 7, erzeugt mit ihrer Umsetzung Aufmerksamkeit. Die Message „Habt keine Angst“ verbleibt widerhallend im Kopf und besitzt in ihrem Inhalt unbestritten große Richtigkeit. Das beworbene Produkt, nämlich eine Fernsehserie, einmal völlig außer Acht gelassen.

Ob es sich hierbei um eine geniale Werbestrategie handelt, der man durchaus Positives abgewinnen könnte, oder ein erneut billiger (oder wohl eher teurer) Versuch, den Umsatz durch die Gewinnung von Fernsehzuschauern zu steigern, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Wer sich selbst dazu Gedanken machen möchte, kann diese Seite besuchen: www.habt-keine-angst.de

Zum Thema Werbung und wie sie nicht nur Bedürfnisse kreiert, sondern ganze Ideale und Weltbilder prägt, gibt es noch ein Video einer Kampagne der Firma „Dove“. Ein Appell an alle: Ihr seid schön und besonders, so wie ihr seid. Das Schönheitsideal, dem ihr hinterherlauft oder das ihr bewundert, existiert nicht. Es ist nicht real. Ein Video, was einem hoffentlich in noch nicht mal einer Minute die Augen öffnet.


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