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Bruchpfau

Von „Fuck you, Washington!“ zu „Fick dich, Berlin!“ – Twitter und der Hashtag #fickdichberlin

31. Juli 2011 , Geschrieben von admin Veröffentlicht in #Global

So manch aufmerksamer Twitterer wird sich in den letzten Tagen gefragt haben, was #fickdichberlin bedeutet. Tweets, die den Hashtag #fickdichberlin beinhalten, werden mittlerweile im Sekundentakt gepostet. Grob gesagt, wird somit eine Welle des Ärgers in Richtung Regierungssitz geschickt, obwohl nun mittlerweile auch die Stadt und ihre Kultur ihr Fett weg bekommen.

Angefangen hat diese Welle aber in den USA als Jeff Jarvis, Blogger und Journalismusprofessor, letzte Woche seinem Ärger bei Twitter Luft machte, indem er am Ende seines Tweets „Fuck you, Washington!“ schrieb. Ein regelrechter Twitter-Tsunami brach los, der Tweets voller Frustration, Wut und Enttäuschung beinhaltete. Ein Twitter-Anhänger schlug vor, einfach den Hashtag #fuckyouwashington dafür zu nutzen. Wüste Beschimpfungen gegen die Politik und die Elite Washingtons erfolgten, an denen Zehntausende teilnahmen.

Die losgetretene Welle hat nun auch Deutschland erreicht. Unter dem Hashtag #fickdichberlin, werden nun Wut und Ärger über Politik und Politiker in Richtung Berlin geschickt. Aber auch die Berliner an sich und die Stadt werden kritisiert. Neben Kritik sind auch viele extrem hasserfüllte Tweets zu finden.

Sowohl #fuckyouwashington als auch #fickdichberlin werden mittlerweile als einer der größten Internet-Proteste gehandelt. Am 26. Juli nahm der Hashtag die Spitzenposition aller Twitter-Hashstags in jedem Land ein. Ein kleiner Auszug aus dem heutigen Tweet-Pool:

„#fickdichBerlin für deine unsäglich arrogante Dummheit!“

„#fickdichberlin: Butter bei die Fische oder penetriert Euch selbst“

„#fickdichberlin Weil Ihr mit Moralappellen zu Spenden aufruft, für Hungersnöte, die ihr selbst verursacht“

„#fickdichberlin weil hier der Aufruf zum Generalstreik unter Strafe steht. Und nun murkst man auch noch bei Internet-Treffen herum. Ekelhaft“

„#fickdichberlin für das Zusammenstauchen der akadem. Hochschulbildung auf d 'Bachelor'. Drei Jahre unfreies vegetieren in kaputten Hörsälen.“

„Dafür, dass ich mit einem Vollzeitjob und Meisterbrief keine Familie ernähren kann, #fickdichberlin“

"selbst helmut kohl war nicht so ein dummes arschloch wie du jetzt bist also #fickdichberlin"

Neu sind Unmutsbekundungen aber nicht. Enttäuschungen und Frustration gegenüber politische Strukturen, Entscheidungen und ihre Entscheider gab es schon immer. Kaum einer würde sich wohl mit umfassender Zufriedenheit äußern bis auf die Elite selbst. Es ist abzuwarten, ob es sich lediglich um eine destruktive Internet-Jammer-Wut-Welle, zum Teil angereichert mit jeder Menge Kraftausdrücken, handelt, die aufgrund ihrer Einfachheit keinerlei positive Handlungsfähigkeit entwickeln kann oder ob es sich um den Beginn einer kritischen, handfesten Protestaktion handelt, die sich irgendwann vollständig aus dem Internet lösen und auf die Straße getragen wird. Eines aber ist klar, die Entwicklung wird davon abhängig sein, ob die kritische Masse mit Mut zu Ideen und Entwicklung überwiegt oder eine hasserfüllte Gruppe, die weder Grund noch Ursache versteht und demnach auch nicht in der Lage sein wird, Probleme zu lösen, sondern sie lediglich zu verlagern.

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