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Bruchpfau

Die Anschläge in Norwegen - Eine systemkritische Betrachtung

26. Juli 2011 , Geschrieben von admin Veröffentlicht in #Global

Angesichts der furchtbaren Tragödie in Norwegen, überschlagen sich die Meldungen und Nachrichten im Minutentakt. Der eine Fernsehsender sprach mit einem Überlenden und die Zeitung XY führte ein Interview mit einem Politikexperten. Die Grundfragen gleichen sich: Wie konnte so etwas passieren? Wieso war dieser Mensch zu solch einer brutalen Tat fähig? Antworten werden sofort mitgeliefert. In den meisten Fällen ist es natürlich der Täter an sich, dem die alleinige Schuld gegeben wird. Aber auch mehr und mehr Stimmen werden laut, die Mitschuld in der doch stark manifestierten rechtspopulistischen Politik-Riege Norwegens sehen. Über 20% der Norweger haben bei der Parlamentswahl 2009 für die rechtskonservative Fortschrittspartei gestimmt.

Doch wie kommt es dazu, dass eine Ideologie, welcher unmenschlichen Form auch immer, sich manifestieren kann? Wo ist der Nährboden zu suchen, in dem Samenkörner wie ein bestimmtes Gedankengut, unmoralisches Handeln, Brutalität, Hass, Aggressionen und Unmenschlichkeiten jeglicher Art überhaupt erst gedeihen können? Diese Fragen fehlen mir in jedem derzeit geführten Interview und in jeder Diskussion. Die Aussparung wundert mich allerdings nicht, so würde doch eine solche Vorgehensweise in den Berichterstattungen weit über die Ereignisse in Norwegen hinausgehen und ein ganzes Problemgerüst nicht nur vor die eigene Haustür jedes Einzelnen setzen, sondern auch in die eigenen 4 Wände platzieren.

Gesellschaften, die sich als Kreatoren von Krieg und Hass zeigen, die sich daran beteiligen, Millionen von Zivilisten in Kriegsgebieten zu töten, die Vorurteile erzeugen und an jeder Straßenecke leben, die dem Nachbarn mit Neid begegnen und dem Kollegen mit Konkurrenzdenken gegenüber stehen, die ihre Kinder zu passiver Aufnahme erziehen anstatt zu aktiven Denkern und zu verantwortungsvollen Handelnden, die mehr nehmen als geben, erzeugen automatisch aufgrund ihrer degenerierten moralischen Basis Auswüchse, die sich dann derart gestalten können, wie wir es in Norwegen erlebt haben.

Die Gründe für solche Auswüchse einer Gesellschaft sind somit in ihr selbst zu suchen. Für das, was eine Gesellschaft hervorbringt, trägt, neben dem einzelnen Täter, auch der systemische Nährboden, also die Gesellschaft selbst, die Verantwortung. Will eine Gesellschaft derartige Auswüchse verhindern, muss sie sich zunächst selbst verändern, in ihrem manipulierten Gedankengut, in ihren Handlungen und in ihren Äußerungen. Werden Liebe und Menschlichkeit gelebt, gedeihen Liebe und Menschlichkeit. Wird dadurch Mitgefühl transportiert, ist ein Mensch nicht mehr fähig, anderen und sich selbst Leid anzutun. Wird dadurch Toleranz transportiert, entsteht uneingeschränkte Akzeptanz für den Einzelnen. All den Auswüchsen unserer Weltgesellschaft wie Hass, Gewalt, Lügen, Manipulation, Gier und Inhumanität, würde der Nährboden entzogen und Freiheit etabliert. Die Vorratsdatenspeicherung, die von den Innenministern dieser Tage, mantraartig versehen mit Schlagwörtern wie „Schutz“ und „Sicherheit“, vorgeschlagen wurde, wirkt diesem Prozess in vollem Umfang entgegen. Auch die ausschließliche Fokussierung vieler Massenmedien und ganzer Bevölkerungsgruppen auf die Person des Täters, vernebelt den Blick für eine systemkritische Betrachtungsweise und wirkt dadurch ebenfalls entgegengesetzt, wird doch dadurch weiterhin Hass geschürt und der Acker somit frisch gepflügt.

Es ist zu hoffen, dass die systemdienende massenmediale Berichterstattung, die derzeit wohl eher als Ausschlachtung der Ereignisse bezeichnet werden kann, bald ein Ende findet, damit die überlebenden Opfer das Erlebte frühzeitig aufarbeiten und die Angehörigen der Getöteten damit beginnen können, ungestört um geliebte Menschen zu trauern und mit ihrem Verlust umgehen zu lernen.

Mein aufrichtiges Mitgefühl für die Opfer und die Angehörigen.

  

Bildquelle: flickr.com/sylvar  

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Ein Cover von John Lennons „Imagine“ aus Norwegen.

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