Gedanken aus Palästina: 63 Jahre - Ich bin sie leid
Ich bin sie leid, die Mauer.
Ich bin sie leid, die Checkpoints zwischen palästinensischen Städten.
Ich bin sie leid, die illegalen israelischen Siedler und Siedlungen.
Ich bin sie leid, die hebräische Schrift in meinem Personalausweis.
Ich bin die Leute leid, die keine Ahnung von unserer Geschichte haben, aber so viel über
die jüdische Geschichte wissen.
Ich bin die Leute leid, die sich einen Dreck um das Rückkehrrecht der Palästinenser scheren, aber den Juden das Rückkehrrecht nach Israel per Gesetz garantieren. Ich bin das Oslo-Abkommen leid, das keiner hier je gewollt hat. Ich bin die Palästinensische Autonomiebehörde leid, die null Autonomie hat. Ich bin es leid mit anzusehen, wie mein Vater am Checkpoint gedemütigt wird von Leuten, die so alt sind wie ich oder jünger. Ich bin es leid, dass meine ausländischen Freunde lügen müssen, wenn sie mich besuchen wollen. Sie werden verhört, müssen sich ausziehen. Manchmal werden sie ausgewiesen. Ich bin die Leute leid, die nicht kapieren, was „Besatzung“ bedeutet. Ich bin es leid, dauernd Angst zu haben. Ich bin es leid, das Post-Traumatische-Stress-Syndrom, das hier in Palästina der Normalzustand ist. Ich bin es leid, wie erfolglos die UN inzwischen ist. Ich bin es leid, dass das humanitäre Völkerrecht für Israel nicht gilt. Ich bin es leid, dass der Einsatz für die Grundrechte der Palästinenser oder Kritik an der Politik Israels so oft „antisemitisch“ genannt wird. Ich bin es leid, dass alle immer vergessen, dass ich Semit bin. Ich bin es leid, Israelis über Diskriminierung klagen zu hören, verfolgen sie doch das Ziel eines rein jüdischen Staates. Ich bin es leid, dauernd verdächtigt zu werden. Ich bin es leid, wie die meisten Medien uns und unsere Lage darstellen. Ich bin es leid: Die ganze Welt sorgt sich um Gilad Shalit und mehr als 7.000 Palästinenser sitzen in israelischen Gefängnissen. Ich bin es leid: Wenn ich mich selbst, meine Freunde oder meine Landsleute verteidige, bin ich ein „Terrorist“. Ich bin es leid: Überall wo ich hingehe, kriege ich die Mauer, eine Siedlung oder einen israelischen Soldaten zu sehen.
63 Jahre israelische Besetzung– Ich bin sie leid.
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