Die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika
Zur Zeit flüchten jeden Tag zwischen 1000 und 2000 Menschen aus Somalia in den Norden Kenias. Rebellengruppen haben den Süden Somalias fest in der Hand und verbreiten Angst und Schrecken. Mit ein Grund, warum sich ganze Familien über die Grenze nach Kenia schleppen. Der Hauptgrund ist aber simpel wie einfach: Sie haben Hunger. Die derzeitige Dürre in Somalia soll dafür ausschlaggebend sein. Länder wie Somalia gehörten aber schon immer zu den Hungerländern der Welt. Neben Somalia leiden auch Kenia, Äthiopien, Dschibuti und Uganda aktuell unter der Dürre. Im Flüchtlingslager in Dadaab, Kenia, kommen also nicht nur Menschen aus Somalia, sondern auch aus Äthiopien an.
Viele Menschen reagieren dieser Tage mit Wut, wenn sie hören, dass Griechenland nun mit 109 Milliarden Euro unterstützt wird und Spanien und Italien ihre Unterstützungen ebenfalls erhalten sollen, während die Menschen der jetzigen Hungerkatastrophe vor dem Hunger fliehen und in Flüchtlingslagern Zuflucht suchen, wenn sie denn überhaupt das Lager erreichen. Viele sterben schon auf dem Weg und verenden völlig entkräftet oder sterben kurz nach der Ankunft. Die Wut ist verständlich und zeigt doch, dass Menschlichkeit und Mitgefühl noch nicht vollständig aus der westlichen Gesellschaft eliminiert worden sind. Um die akute Hungerkatastrophe einzudämmen, sind sicherlich schnelle, unbürokratische finanzielle Hilfen nötig. Dennoch mutet dieser Aufschrei paradox an. Es sei nämlich gesagt, dass der Hunger dadurch nicht verschwinden wird und die nächste Hungerkatastrophe somit vorprogrammiert ist. Somit würde es sich um eine Symptombekämpfung handeln, die ohne Zweifel zunächst erfolgen muss, aber nicht um eine Ursachenbekämpfung.
Schon in dem Artikel „Hintergrundinfo: Hungersnot und Wassermangel“ bin ich auf die Hungerproblematik und ihre Zusammenhänge eingegangen. Zum einen ist ein Grund des Hungers in den politisch instabilen Verhältnissen der jeweiligen Länder zu suchen. Zum anderen ist aber auch die westliche Politik und das Verhalten der Gesellschaften der Industriestaaten verantwortlich. Diese tragen erheblich zur Aufrechterhaltung des Hungers bei und eben nicht zum Abbau. In Ostafrika sind die Lebensmittelpreise derzeit um rund 300 Prozent gestiegen. Dies ist hauptsächlich Spekulanten zu verdanken, die über keine moralische Denkstruktur und Handlungsfähigkeit verfügen und ihr Geld so gerne vermehren. Des weiteren gehen riesige Ackerflächen für das unbändige Konsumverhalten des Westens drauf. Der Faktor Fleisch sei an dieser Stelle auch genannt, dessen enormer Konsum bei uns, immer mehr Ackerflächen für Viehnahrung erfordert.
Letzte Woche war Angela Merkel auf Afrikareise. Doch nicht die Hungerkatastrophe trieb sie dorthin oder der Einsatz für arme und hungernde Menschen generell. Nein, Merkel hatte deutsche Wirtschaftsinteressen im Sinn. Sie hat Milliarden von Angola für Waffen erhalten. In Angola sind die Menschen so arm, dass man ihnen beim Sterben zu sehen kann. Aber Angola hat viel Öl, Diamanten und andere seltene, und somit kostbare, Rohstoffe. Geschäfte mit Angola sind daher äußerst lukrativ.
Randanmerkung zu dem oben gezeigten Foto:
Das Foto stammt von dem Fotografen und Journalisten Kevin Carter. Das Foto mit dem Titel „A vulture watches a starving child“ wurde am 1. März 1993 aufgenommen und erhielt 1994 den Pulitzer-Preis. Es zeigt ein kleines Mädchen aus dem Sudan, was sich 300 Meter entfernt von einem Hilfszentrum auf dem Boden sitzend befindet, da es erschöpft und ausgemergelt war und kaum einen Schritt vor den anderen setzen konnte. Hinter dem Mädchen sitzt ein Geier, der naturgemäß auf Beute hofft. Carter hat behauptet, dass er den Geier verjagt habe und das Mädchen daraufhin seinen Weg fortsetzen konnte. Dies war die Anmerkung, die die New York Times bei der Erstveröffentlichung 1993 unter das Bild setzte, um den sensiblen Leser zu beruhigen. Da diese Aussage aber mehr als unwahrscheinlich anmutet, wird angenommen, dass dies der Grund war, warum Carter kurz nach dem Erhalten des Pulitzer-Preises Suizid beging.
Derartige Schicksale wie das des kleinen Mädchens, waren keine Einzelfälle, sind keine Einzelfälle und werden zu keinen Einzelfällen, wenn weiterhin das Wachstum des Wohlstands einiger weniger und wirtschaftliche Interessen über Humanität und die Menschenrechte gestellt werden.
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