Kinderarbeit – Ein schlimmes Symptom eines fehlgeleiteten Weltsystems
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass etwa 327 Millionen Kinder weltweit erwerbstätig sind. Ungefähr 126 Millionen von ihnen arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen, das heißt, dass sie wie Sklaven gehalten und behandelt werden. Für viele Kinder bleibt der Besuch einer Schule ein großer Traum, der sich für sie nicht erfüllen wird.
Ein kurzer Zahlenüberblick:
70 Millionen der Kinder sind keine 10 Jahre alt, 100 Millionen der Kinder besitzen nicht mal eine Grundschulausbildung, 5,7 Millionen der Kinder sind in Schuldknechtschaft tätig, d.h. sie arbeiten Schulden der Eltern/Familie ab, und 22.000 Kinder sterben jedes Jahr durch Arbeitsunfälle
Kinder arbeiten in allen Wirtschaftssektoren. Über die Hälfte aller Kinder sind in der Landwirtschaft tätig, gefolgt von der Dienstleistungsbranche und der Industrie. Daher landen natürlich auch viele Produkte, die mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt werden, auf dem deutschen Markt. Bezogen auf den Lebensmittelbereich handelt es sich u.a. um Produkte wie Bananen, Kaffee, Schokolade, exotische Früchte, Zucker und Gewürze, die allzu oft durch Kinderhände, angebaut, geerntet und verarbeitet wurden. Im Bereich der Konsumgüter finden sich u.a. Produkte wie Bekleidung, Blumen, Edelsteine und Strass, Fussbälle, Handys, Kosmetik, Natursteine und Teppiche. Aber auch im Urlaub diverser Länder ist es nicht ungewöhnlich, dass man Kinder in der Tourismusbranche und in der Gastronomie antrifft.
Kinder sind nicht gewerkschaftlich organisiert, lassen sich leicht ausbeuten und sind daher viel billiger als erwachsene Arbeitskräfte. Das Geschäft mit der Kinderarbeit ist demnach lohnenswert.
Die Gründe für die Kinderarbeit liegen in dem Ungleichgewicht unserer Welt. Um es einmal kurz und knackig zu formulieren: Profitgier auf der einen Seite und eine hohe Nachfrage auf anderen Seite, versehen mit einer Geiz-Ist-Geil-Einstellung führen dazu, billige Arbeitskräfte arbeiten zu lassen. Und Kinder sind sehr billig.
Die Kinder gelangen, freiwillig und unfreiwillig, bedingt durch Armut in Arbeitsbeschäftigungen. Viele dieser Kinder müssen mit Hilfe ihres Verdienstes ihre Familie ernähren bzw. dabei mithelfen. Einige Kinder haben auch gar keine Familien mehr, da sie sie z.B. an Aids verloren haben oder die Familien in Kriegen getötet worden sind. Die Waisen müssen sich allein durchschlagen und geraten schnell in Ausbeutung und Sklaverei. Viele Kinder gehören Minderheiten oder gesellschaftlich unterdrückten Gruppen an, so dass sie schon allein deswegen zur Arbeit gezwungen werden. Mädchen sind besonders häufig betroffen, da sie in vielen Kulturen einen niedrigeren Stand einnehmen als Jungen. Arbeitende Kinder gehen meist nicht zur Schule, haben keine Chance auf eine Schulausbildung, erleben keine Berufsausbildung und haben so auch keine Möglichkeit, sich zukünftig ein eigenständiges Leben aufzubauen. Aus diesem Grund müssen viele von ihnen später auch ihre eigenen Kinder zur Arbeit schicken. Sie sind gefangen in einem Kreislauf.
Viele Hilfsorganisationen stellen sich mittlerweile gegen ein Verbot von Kinderarbeit. Sie wollen viel mehr die Rechte von Kindern stärken, das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, Arbeitsschutz, faire Entlohnung etc. Dieser Ansatz ist zu befürworten. Zu viele Jahre wurde lauthals „Kinderarbeit weg!“ geschrieen, ohne zu überlegen, was das für viele Kinder bedeuten würde. Dennoch ist auch das keine wirkliche Lösung der ursächlichen Umstände.
Das bewusste Entwickeln und Leben ethischer Werte und die Abkehr von unserem Raubtierkapitalismus sind die einzigen Möglichkeiten, ausbeuterische Kinderarbeit flächendeckend aufzulösen. So lange wir so weiter machen wie bisher, wird sich diese Problematik nicht verändern. Im schlimmsten Fall entwickelt sie sich weiter, im besten Fall wird die Problematik umverlagert. Fest steht aber, dass beide Fälle für die Kinder nur unbefriedigend sein können.
Heute ist der internationale Welttag gegen Kinderarbeit. Vielleicht ist es für den einen oder anderen von euch ein Anlass, sich mit der Thematik zu beschäftigen.
Bildquelle: flickr.de/indienreise07
Textquellen:
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