Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Bruchpfau

Die Proteste der Welt

2. Juli 2011 , Geschrieben von admin Veröffentlicht in #Global

Der Fokus, insbesondere Europas, liegt schon seit Tagen und Wochen auf Griechenland und der EU, deren Finanzminister heute die Kredite in Höhe von 12 Milliarden Euro freigeben. Das griechische Volk bezieht nach wie vor Stellung und zeigt seine Wut mittels standhafter Proteste. Die spanischen und portugiesischen Protestbewegungen haben schon vor Wochen deutlich gemacht, dass sie sich mit Griechenland solidarisch verhalten.

Und was ist mit den Protestländern des arabischen Frühlings? Am gestrigen Freitag fanden in Syrien die heftigsten Proteste seit Beginn der Demonstrationen statt. Erneut sind Menschen von der Armee verletzt und getötet worden. Seit März 2011 starben ungefähr 1.700 Menschen. Auch im Jemen gab es erneut Großdemonstrationen gegen  Präsident Saleh.

In Marokko fanden Wahlen für eine Verfassungsreform statt. Weit über 90% der Marokkaner stimmte für eine derartige Reform und entbinden somit König Mohammed von eine Reihe von politischen Aufgaben. Dennoch spielt er weiterhin eine zentrale Rolle im politischen System. Der Opposition geht das nicht weit genug und sie kündigte daher erneute Demonstrationen an.

In Bahrain  hat es eine Nationale Versöhnungskonferenz gegeben, in der 300 Politiker und Aktivisten die aktuelle Situation der Bevölkerung besprochen und nach Lösungen gesucht haben. Anfang des Jahres hat König al-Chalifa Demonstrationen brutal beendet und Oppositionelle mit grausamen Strafen bedacht. Dass es bei dieser Konferenz mit Sicherheit nicht um wirkliche Hilfen für das Volk ging, sollte selbst dem Uninteressiertesten klar sein.

In Libyen treibt Gaddafi nach wie vor sein Unwesen. In einer völlig wahnsinnigen Rede erklärte er am Freitag, dass die Schlacht nach Europa getragen werden würde und drohte Europa mit einer Katastrophe. Die NATO hingegen operiert in Libyen weiter. Bisher ist der NATO-Einsatz wie üblich nicht erfolgreich gewesen, aber insbesondere Sarkozy und Berlusconi werden nicht eher Ruhe geben, bis Gaddafi geht. Es scheint, als wollten die beiden das Land unter sich aufteilen. Die Bevölkerung und ihre Nöte spielen hier wohl eher eine untergeordnete Rolle.

Proteste hier, Demonstrationen dort. In allen Fällen erkennen wir eine große Masse gegen eine vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen. Und in allen Fällen geht es um Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung. Der erhebliche Größenunterschied und die Tatsache, dass es der großen Masse vielfach, zumindest noch nicht, gelungen ist, ihre Machthaber zu verdrängen, zeigt wie mächtig diese kleine Gruppe von Menschen ist, wie sehr alle anderen sich von ihr abhängig gemacht haben und wie weit verzweigt eine derartige Elite mit enormen Machtinstrumenten operiert.

Auch wir in Deutschland, die wir tatsächlich glauben, uns in Sicherheit zu befinden, sollte dieser Umstand in Angst und Schrecken versetzen und dazu führen, dass eine Solidarität, ein Füreinander, was zu einem echten Miteinander führen würde, entsteht. Denn nur so, wären wir in der Lage, für alle Menschen ein akzeptables und den Menschenrechten entsprechendes Leben zu ermöglichen. Und das allein wäre die einzige langfristige Lösung. Wir wirken geradezu unbeteiligt angesichts der Proteste in den letzten Tagen und Wochen in unserer Welt. Dabei haben wir noch nicht verstanden, dass wir im gleichen leckgeschlagenen Boot sitzen und somit ebenfalls mituntergehen werden. Das Spiel auf Zeit hat begonnen und die mittelfristigen Lösungsstrategien für Griechenland werden den Untergang lediglich verschieben, aber nicht aufheben.

Bildquelle: flickr.com/freestylee

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post