Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Bruchpfau

Kants Kategorischer Imperativ - Eine Erklärung & ein gedanklicher Abriss über Demokratie und Freiheit

19. Juli 2011 , Geschrieben von admin Veröffentlicht in #Lebenstanz

Keine Persönlichkeit der Aufklärung hat unsere Zeit so sehr beeinflusst wie Immanuel Kant. Der Philosoph und Pädagoge hat mit seiner Lehre, dem Kategorischen Imperativ und somit seiner Definition zur Moral, Freiheit und Mündigkeit, den Grundstein für unser demokratisches System mitgelegt. Der Freiheitsgedanke nach Kant ist ein wesentliches Merkmal, das unser demokratisches System ausmacht. In Wirklichkeit aber wurde Kants Kategorischer Imperativ umdefiniert, so dass er in seiner wahren Bedeutung weder besteht noch die Chance zur Entfaltung besitzt.

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Dieser bekannte Appell Kants, wurde von ihm geschaffen, nachdem er die Unterschiede zwischen Mensch und Tier aufzeigte. Der Mensch habe für Kant im Unterschied zum Tier die Möglichkeit von seinem Verstand, der Vernunft, Gebrauch zu machen und somit Reflektion und ein moralisches Handeln zu entwickeln.

Den Kategorischen Imperativ, auch Sittengesetz genannt, hat Kant am Ende seines umfangreichen Gedankengerüsts wie folgt formuliert:

"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

Aber was meint Kant mit „wollen“ und was ist eine Maxime?

Der Wille und die Pflicht

Der Wille des Menschen ist nach Kant erst dann moralisch gut, wenn er durch Pflicht bestimmt wird. Er unterscheidet hierbei zwischen „pflichtgemäß“ und „etwas aus Pflicht tun“. Pflichtgemäß sind für Kant Handlungen, die durch Hintergedanken entstehen und somit dazu dienen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Pflichtgemäße Handlungen sind nicht moralisch gut. Selbst vermeintlich gute Handlungen sind, wenn sie pflichtgemäß ausgeführt werden, moralisch verwerflich, z.B. anderen Menschen zu helfen, wobei dafür eine spätere Belohnung erwartet wird (sei sie materiell oder religiös). Nur wenn eine Handlung aus Pflicht erfolgt, d.h. nach Kants Definition ohne Zweck, Absicht und ohne Ansicht des Objektes, ist sie moralisch gut und unterliegt somit dem guten Willen.

Die Maxime

Eine Maxime beschreibt ein Handlungsprinzip. Eine Maxime kann durchaus als Gebot verstanden werden, so und nicht anders zu handeln. Da der Mensch ein vernunftbesitzendes Lebewesen ist, ist der Wille eines Menschen zunächst auch vernünftig und hat somit das Gute im Fokus. Dennoch treten Hindernisse auf, die dies vereiteln könnten. Dies sind diverse Triebe und Lust. Um aber nicht pflichtgemäß, sondern aus Pflicht zu handeln, benötigt der Mensch eben eine Maxime, ein Gebot, was immer Gültigkeit besitzt und keine Rücksicht auf Triebe und Lust nimmt.

Kants Schlussfolgerung, die zugleich den Kategorischen Imperativ an sich bildet, beschreibt weiterhin, dass jede einzelne Handlung, die von jedem einzelnen Menschen ausgeführt wird, zugleich auch von dem Handelnden als allgemeines Gesetz gewollt sein muss.

Wenn also jemand, einen Raub begeht, dann würde seine Maxime wie folgt lauten: Immer wenn ich Geld benötige, überfalle und bestehle ich jemanden. Das allgemeine Gesetz hieße dann: Das Berauben und Bestehlen anderer Menschen zwecks Befriedigung persönlicher Bedürfnisse und Einkommenssteigerung ist erlaubt. Dadurch müsste derjenige aber wollen, dass auch er selbst bestohlen und beraubt wird. Wenn jemand einen anderen Menschen Gewalt antut, um seine Aggressionen abzubauen, müsste also seine Maxime wie folgt lauten: Immer wenn ich aggressiv bin, verprügele ich jemandem und tue ihm physische und psychische Gewalt an. Das allgemeine Gesetz würde also lauten: Das Verprügeln von jemandem und das Zufügen von Schmerz und Leid zwecks Aggressionsabbau ist erlaubt. Hiermit müsste aber der Gewalttäter selbst wollen, dass er von anderen verprügelt und physisch und psychisch misshandelt wird.

Kant beschreibt mit seinem Kategorischen Imperativ also, dass jeder Mensch seine eigenen Gesetze entwerfen und verabschieden kann und sollte. Denn nach Kant besitzt der Mensch die Autonomie des Willens, daher ist der Mensch frei und kann für sich Gebote aufstellen. Dies unterscheidet ihn vom Tier. Die Moral und somit die Sittlichkeit entspringt also aus der Freiheit. Auch Jean-Jacques Rousseau, ein weiterer Aufklärer, formulierte es ähnlich, indem er sagte, dass der Gehorsam des Einzelnen gegenüber seiner selbstauferlegten Gesetze die wahre Freiheit bedeute.

Daher stießen Kants Äußerungen zu seiner Zeit auf wenig Gegenliebe, da sie doch auch aussagten, dass nicht religiöse Vorgaben oder staatliche Gesetze die Handlungen des Einzelnen vordiktieren oder in ihren Grenzen abstecken dürfen. Mündig und frei ist der Mensch nur dann, wenn er sich eigenen Gesetzen unterwirft, die ihren Ursprung in einer vernunftgeleiteten Moral haben.

Der Kategorische Imperativ stellt unser gesamtes Weltsystem erheblich in Frage und besitzt daher nach wie vor große Aktualität. Dies kann Teilbereiche unseres Zusammenlebens betreffen, z.B. Kommunikation, oder aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen wie Atomkraft oder Militarisierung oder sich sogar bis auf die Prinzipien unseres derzeitigen Kapitalismus und auf unser demokratisches System ausdehnen.

Das demokratische System in dem wir leben basiert auf Kants Äußerungen, dass jeder Einzelne das tun kann, was er will, so lange er keinem anderen Schaden zu fügt. Die tatsächliche Definition unseres Systems lautet aber, dass jeder das tun kann, was er will, so lange der Einzelne gegen keine staatlichen Gesetze verstößt. Da aber Gesetze nicht demokratisch verabschiedet werden, wird den Menschen, und somit dem Volk, die Mündigkeit entzogen. Nach Kant verbleibt der Mensch so weiterhin unmündig und ist nicht frei. Unser demokratisches System handelt somit gegen seine Ursprungsbasis und übt Herrschaft aus, also eben keine Demokratie in Anlehnung an Kants Kategorischem Imperativ und seiner integrierten Definition von Freiheit. Nur allein die Namensgebung „Demokratie“ macht noch lange keine Demokratie aus, wenn sie ihrem eigenen Ursprung widerspricht.

Hierzu ein etwa 18-Minütiges Video über den  Kategorischen Imperativ, Freiheit, Demokratie und dem Friedensgedanken. Es ist wirklich empfehlenswert, sich diese knapp 18 Minuten zu nehmen:


Bildquelle: flickr.com/derteo.berlin  

Werbung

Hierzu ein etwa 18-Minütiges Video über den Kategorischen Imperativ, Freiheit, Demokratie und dem Friedensgedanken. Es ist wirklich empfehlenswert, sich diese knapp 18 Minuten zu nehmen.

Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post